Was für ein Abend in der Vöhlinhalle! Die BG Illertal schlägt den bis dahin ungeschlagenen Tabellenzweiten TS Jahn München mit 90:78 und feiert damit nicht nur den dritten Sieg in Folge, sondern setzt auch ein echtes Ausrufezeichen in der 1. Regionalliga. Nach einem schwierigen Start steigerten sich die Panther von Viertel zu Viertel und ließen im Schlussabschnitt keinen Zweifel mehr daran, wer an diesem Halloween-Abend als Sieger vom Feld gehen sollte.
Dabei begann die Partie alles andere als nach Wunsch. Wie schon in den ersten Saisonspielen war in den Anfangsminuten zu viel Respekt vor dem Gegner zu spüren. Vor allem Jahns Nummer 7, Mateo Jukic, bereitete den Illertaler Guards große Probleme. Immer wieder setzte er sich im Eins-gegen-eins durch, schloss selbst erfolgreich ab oder fand seine Mitspieler mit präzisen Pässen. Die Panther fanden zunächst kaum ein Mittel dagegen. „Wir haben in den ersten Minuten überhaupt nicht das umgesetzt, was wir besprochen hatten! Zu viele Passfehler und zu wilde Abschlüsse nutzte Jahn eiskalt aus. Ich war schnell gezwungen, die erste Auszeit zu nehmen“, ärgerte sich Trainer Giuseppe D’Angelo über den Auftakt. Auch die ersten Umstellungen brachten noch nicht die erhoffte Wirkung. Jahn gewann das erste Viertel mit 27:18. Dass der Rückstand nicht noch größer ausfiel, war vor allem Paul Schorr zu verdanken, der mit seiner Energie und seinem unbändigen Einsatz dagegenhielt. Bis zur Halbzeit sollte er bereits 14 Punkte gesammelt haben. In der Halle herrschte zu diesem Zeitpunkt eine fast gespenstische Ruhe – vielleicht passend zum Halloween-Abend. Erfreulich war außerdem der erste Einsatz von Samuel Frank, der damit erstmals in der 1. Regionalliga auf dem Feld stand.
Im zweiten Viertel änderte sich das Bild zunehmend. Die Panther bekamen ihre defensiven Probleme besser in den Griff und machten es Jahn immer schwerer, zu einfachen Punkten zu kommen. Gleichzeitig fanden sie offensiv mehr Ruhe und ließen sich vom hohen defensiven Druck der Münchner nicht mehr so leicht aus dem Konzept bringen. Die Fehlerquote drehte sich plötzlich: Während Illertal im zweiten Abschnitt nur noch vier Ballverluste hatte, leistete sich Jahn sechs. Die Panther gewannen zunehmend Selbstvertrauen, verteidigten aggressiver und kamen Punkt für Punkt heran. Zum Ende der ersten Halbzeit gelang schließlich erstmals der Ausgleich – mit 40:42 ging es in die Kabinen.
In der Halbzeitpause war die Botschaft klar: Wir haben nichts zu verlieren, wir können nur überzeugen. „Ich habe der Mannschaft gesagt, dass wir eine realistische Chance haben, auch das dritte Spiel in Folge zu gewinnen, wenn wir es schaffen, die Intensität hochzuhalten. Es liegt an uns!“
Und die Mannschaft setzte diese Vorgabe um. Gleich zu Beginn des dritten Viertels meldete sich Johannes Zeidler eindrucksvoll zu Wort. Mit zwei wichtigen Würfen, einem starken Backdoor-Cut und zwei Steals in der Defensive zeigte er eine seiner bislang besten Phasen in dieser Saison. Jahn begann zu wackeln. Zwar blieb Mateo Jukic weiterhin gefährlich und konnte auch von jenseits der Dreierlinie Akzente setzen, doch die Panther hatten sich inzwischen besser auf ihn eingestellt. Auch Leo Vrkas traf zwei wichtige Dreier und sorgte dafür, dass Illertal weiter dranblieb. Das dritte Viertel ging mit 19:20 knapp an die Münchner, die damit vor dem Schlussabschnitt weiterhin mit 62:59 führten.
Was dann im letzten Viertel folgte, war aus Sicht der Panther kaum besser zu machen. Illertal drehte noch einmal richtig auf und traf sechs seiner zehn Dreipunktewürfe im Schlussabschnitt. Während Jahn zunehmend müde wirkte, konnten die Panther auf frische Kräfte zurückgreifen. Auch die gute Leistung der Bankspieler in den vorherigen Abschnitten machte sich nun bemerkbar. Allen voran Patrick Antic übernahm Verantwortung und lieferte eine überragende Schlussphase ab: 14 seiner insgesamt 20 Punkte erzielte er im letzten Viertel, darunter zwei schwierige Dreier, die den Münchnern endgültig den Wind aus den Segeln nahmen. Innerhalb kurzer Zeit arbeiteten sich die Panther auf zwölf Punkte Vorsprung davon und ließen sich diesen diesmal auch nicht mehr nehmen. Anders als in manchen vorherigen Begegnungen gelang es der Mannschaft, eine Führung clever zu verwalten und den Sieg souverän über die Ziellinie zu bringen. Das Schlussviertel ging mit 31:16 an die BG Illertal, die am Ende einen verdienten 90:78-Erfolg feiern durfte. „Endlich haben wir eine Führung auch gut genutzt, konnten sie klug verwalten und über die Ziellinie bringen“, freute sich D’Angelo nach der Partie.
Was diesen Sieg besonders auszeichnet, ist die Tatsache, dass er von der gesamten Mannschaft getragen wurde. Patrick Antic und Paul Schorr setzten mit ihren starken Leistungen wichtige offensive Akzente, doch am Ende war jeder einzelne Spieler ein wichtiger Teil dieses Erfolgs. Ob Samuel Frank, der als Neuling in der 1. Regionalliga rund sechs Minuten auf der Point-Guard-Position Verantwortung übernahm, oder Matti Kordt, der mit einer starken Defensivleistung überzeugte – jeder brachte sich auf seine Weise ein. Genau das macht die Panther so schwer auszurechnen: Die Verantwortung verteilt sich auf viele Schultern und jeder kann an einem Abend den Unterschied ausmachen.
Passend zum Halloween-Abend gab es für die Panther diesmal also nicht nur Süßigkeiten für die Kinder, sondern vor allem Saures für den bislang ungeschlagenen Tabellenzweiten. Mit dem dritten Sieg in Folge beendet die BG Illertal die Siegesserie von Jahn München und zeigt eindrucksvoll, dass sie auch gegen die Spitzenteams der Liga bestehen kann. Gleichzeitig klettern die Panther erstmals in dieser Saison auf Tabellenplatz vier und damit auf den letzten Play-off-Platz. Ein weiterer Meilenstein für die BG Illertal, die damit unterstreicht, dass sie in der 1. Regionalliga längst angekommen ist.
„Wir haben bis zum heutigen Spiel noch nicht unser volles Potenzial gezeigt. Ich weiß, dass in dieser Mannschaft deutlich mehr steckt, als wir bisher auf dem Feld gezeigt haben. Wenn wir es schaffen, wie heute Abend alles aus uns herauszuholen und über 40 Minuten mit dieser Intensität und diesem Selbstvertrauen zu spielen, dann sind wir in dieser Liga nur schwer zu stoppen!“
Ein besonderer Abend, ein historischer Sieg und ein weiterer wichtiger Schritt für die BG Illertal in ihrer ersten Saison in der 1. Regionalliga.
BG Illertal: Patrick Antic (20 – 2/5 Dreier), Paul Schorr (18 – 2/4 Dreier), Lucca Bretz (13 – 1/3 Dreier), Johannes Zeidler (12 – 2/3 Dreier), Yannick Zumsteg (12 – 2/6 Dreier), Leo Vrkas (9 – 2/5 Dreier), Kevin Kaiser (6), Samuel Frank, Joshua Hauke, Felix Eberhardt, Aleksej Andjelic, Matti Kordt.
Endstand: 90:78 (18:27, 22:15, 19:20, 31:16)



